Aus unserem Alltag – Anïta's Wochentagebuch

Natürlich ist bei Border Homeless immer viel am Laufen. Und natürlich könnte man täglich Geschichten aus dem Border-Alltag erzählen.

Nun, eigentlich sogar mehrmals täglich – aber so viel Zeit bleibt nicht. Denn die meiste Zeit ist für die Hunde reserviert, so wie es sich gehört.

Doch in ihrem Wochentagebuch schreibt Anïta aus Sicht der Zweibeinerin was aktuell ist. Nicht immer wöchentlich, manchmal weniger oder manchmal öfter.

Kurz: Es lohnt sich, immer wieder reinzugucken, ob hier etwas Neugeschriebenes steht.

 

27. Februar 2017

Pierre fand, dass das Wochenende für ihn streng war. War ich doch am Samstag den ganzen Tag weg, und da der tolle Kurs in Gretzenbach stattfand, musste ich früh los. Ich hatte fünf userer Hunde bei mir und besuchte den Schafkurs, von Inge organisiert und von Hanni Windisch durchgeführt. Beim betreten des Stalles, wo ca. 20 Schafe friedlich vor sich hin mahlten, war es mir schon wohl. Hanni gab ganz kurz Verhaltelsregeln durch, damit wir die Schafe nicht stressen. Dann brachte sie uns die "trockene" Theorie der Schafhaltung so lebendig und mit Herz rüber, dass, hätte ich noch keine Schafe, ich mich bemühen würde, welche zu kaufen :-)

Sofort gingen wir über zur Praxis. Hanni zeigte uns das "Klauen" auf die herkömmliche Art und mit dem neuen Klauenstand. Immer wieder betonte sie den anständigen Umgang mit dem Schaf, seinem Wesen und  seinen Eigenarten. Uuuuups, nicht genug dass wir bewundernd ihrem flinken arbeiten zuschauen durften, nein Frauen, jetzt seit ihr dran. Jeder "durfte" einem Schaf die Klauen schneiden, unter ihren wachsamen, und wenn nötig, korrigierenden, aber sehr netten Anweisungen. Den Umgang mit der Schleifmaschine werde ich erst nach einem weiteren Tag mit Hanni ins Auge fassen, da fühle ich mich noch zu unsicher.

Die Kaffeepause, die so viele Kursleiter sich auch als Schnaufpause für sich gönnen, zeigte Hanni, mit dem Kaffe in der Hand, die Stalleinteilung, erzählte über das Klima im Stall  und über einzelne Schafe.

Ein wichtiges Thema, die Stallapotheke, das Entwurmen und das ausfüllen der Begleitdokumente.

Die mitgebrachten Hunde durften auf einen kleinen Bisi Rundggang und dann fuhren wir zu Hanni nach Hause zum MIttagessen. Von der Schafhalterin, der Farmerin, zu der perfekten Gastgeberin, so könnte man die Verwandlung von Hanni beschreiben :-) Ein feiner Salat mit gemischtem Gemüse, Spaghetti und eine gemütlich Atmosphäre, lockere Gespräche..... wollen wir nicht noch ein wenig bleiben?

Ursi erzählt von ihrere Arbeit als Osteopathin und legt uns das Aufwärmen und das Cooldown, sehr sympathisch und nicht schulmeisterisch, ganz fest ans Herz. Etwas das jeder weiss, aber fast keiner macht !!!

So,  Kaffee austrinken, den feinen Kuchen von Inge unter den Arm geklemmt und auf zur Weide. Bei den ca. 40 Jungschafen zeigte uns Hanni, wie man effizient "umhagen" kann. Man merkt, dass bei ihrem Betrieb mit 150 Mutterschafen, jeder Handgriff sitzt. Wir stehen mit unseren Hunden da und schauen ihr zu, wie sie ein Schaf aus der Herde einfängt. Respektvoll, ohne Stress für die Schafe und mit Hilfe ihres Hundes. Dass wir das bewundern lässt sie kalt, sie verlangt umgehend von jedem von uns, das Gleiche zu tun. Ausgesehen hat es sehr einfach :-) :-)

Vielleicht lest ihr meine Begeisterung, es war eines vom Besten was ich in letzter Zeit gemacht habe. Ganz ganz herzlichen Dank Hanni, und auch Inge für die Organisation, Ich werde mich vordrängen, wenn es zum nächsten Kurs bei euch geht.

Die Teilnehmerinnen (wie immer an solchen Weiterbildungen nur Frauen), waren sehr nett, aufmerksam und es blieb trotz Arbeit, immer wieder Zeit zum lachen :-) Danke auch euch, ich hoffe, wir sehen uns am nächsten Kurs.

Und ja...... ich finde, dass jeder der mit seinem Hund an den Schafen arbeiten möchte, zwingend so einen Kurs besuchen muss.

So, das war mein Samstag. Vom Sonntag, von meinem Besuch bei der Border Collie GV, berichte ich euch später. Die Hunde stehen schon bei den Leinen und finden, die zweite Gruppe müsse jetzt unbedingt raus, die Sonne scheint :-)

26. Februar 2017

so, wie versprochen noch den Bericht zu meinem Sonntag. Da die beiden frisch kastrierten bei mir liegen, und ihre Narkose ausschlafen, bin ich fast genötigt, auch etwas ruhig zu sitzen :-)

Am Sonntag fuhr ich bereits um viertel nach sieben Richtung Bern. Nachdem die Hunde gefrühstückt hatten, ihr Bisi gemacht und Pierre die letzten Anweisungen bekommen hatte.

Meinen zmorge nahm ich während der Fahrt auf der fast Menschenleeren Autobahn. Pünktlich um viertel nach neun konnte ich die paar mir bekannten Gesichter im Gasthof Schönbühl begrüssen. Die von Marion geführte GV liess mich, eigentlich zum ersten Mal, voll bewusst werden, dass wir aus zwei verschiedenen Lagern kommen. Obwohl die Faszination Border Collie eigentlich unser gemeinsames Interesse ist, sind wir Aeonen weit voneinander entfernt. Während die Interessen des Clubs vor allem die Zucht, Hunde mit Papieren, das Ankören und die Wesenstests sind, während sie versuchen, den Bestimmungen des SKG Folge zu leisten, liegt unser Interesse  im auffangen und stützen der Hunde, die durch falsche Haltung ein unglückliches Leben führen. Ob diese Hunde nun Abstammungspapiere haben oder nicht, interessiert uns wenig. Obwohl wir natürlich auch solche Hunde bei uns aufnehmen. Denn jeder Züchter versichert, dass er seine Kunden sehr genau prüft und aussucht. Wie kann es dann sein, dass wir vom Vet. Amt erst grad kurz einen Hund aufnahmen, der in der Stadt im dritten Stock hauste? Ein Border Collie mit Papieren. Beide Besitzer arbeiten ganztags ausserhalb, aber man geht drei mal die Woche joggen. Wundert es einem da, wenn der junge Hund ausflippt, auffällig wird, Kinder schnappt und die Mitbewohner  den Tierschutz rufen?

Die meisten Hunde die wir aufnehmen, sind entweder durch das Vet. Amt oder von Tierärzten oder Kliniken. Das Argument, dass jeder Züchter seine Hunde zurücknimmt, wenn es nicht geht, lass ich nicht gelten. Zu oft schon haben wir bei Züchtern rückgefragt, aus deren Zucht wir einen Hund aufnahmen. " Nein, ich kann ihn nicht nehmen, ich habe grad einen Wurf", "nein, ich bin selber nicht gesund, und grad am umziehen." Nein, ich bin grad in Trennung und kann keinen Hund mehr aufnehmen. ".

Für Hundebesitzer die Hilfe suchen, vor allem für solche Hunde, ist Border Homeless da. Dank dem grosszügigen Anwesen, das wir vor zwei Jahren erwerben konnten, haben wir genug Platz. Mit den zwei Teilzeitangestellten haben wir auch genug Kapazität, allen Hunden gerecht zu werden. ( Das für diejenigen, die glauben man könne ja 20 Hunden gar nicht gerecht werden :-)

Dass der Border Collie Club uns nicht finaziell unterstützt, schreibe ich vor allem den verschiedenen Ansichten zu. Aus eigenem Antrieb wäre ich auch nie auf die Idee gekommen, beim BC um Unterstützung nachzufragen. Es war der BC selber, der mich anwies, doch einen Antrag auf die nächste GV zu schreiben.

Es entlastet uns aber auch, dass wir uns nicht für die Border MIschlinge entschuldigen müssen. Klar ist, dass viele Hunde die wir bei uns aufnehmen, mit gewaltigen Schäden zu uns kommen. Sie haben ja gut gemeinte aber selten gut gemachte Erziehungsversuche durch Menschen hinter sich. Dadurch gibt es auch Hunde, die sehr lange brauchen, bis wir die richtigen Menschen für sie finden, bei denen sie dann Vertrauen und ein Border gerechtes Leben haben können. Das liess sogar Besserwisser dazu hinreissen, zu äussern, dass wir unsere Hunde gar nicht abgeben wollen. Ja, es gibt welche, bei denen man den Absturz bereits voraus sehen kann. Die bleiben dann halt bei uns. Einem tauben, authistischen Border ein einigermassen gutes Leben zu bieten, verlangt mehr als ein Bettli und Futter. Vor allem ist es kein Hund, mit dem man mit Siegen brillieren kann. Aber es ist ein Hund, der ungewollt in diese Welt gesetzt wurde, ja, bestimmt nicht mit Abstammungspapieren gezüchtet, und daher für gewisse Ansichten auch nicht Existenz berechtigt.

Wir werden Border Homeless bleiben, eine Auffangstation und Tierheim für gestrandete, für Hunde, die nur zur Ruhe kommen müssen, etwas Hilfe und Erziehung brauchen, um dann in Neuen Familien ihr Glück zu finden.

Wenn Menschen uns unterstützen ist das nie für uns, sondern immer und zu 100% für Platz suchende Hunde. Mit jeder finanziellen Hilfe ermöglicht ihr es, dass wir einem solchen Hund einen temporären Platz mehr bei uns anbieten können.

Erst etwas enttäuscht über die Voten, aber bereits auf der Autobahn spürte ich Entlastung und begrüsste Todmüde aber glücklich unsere meist Papierlosen, wunderbaren Border Collies.

 

 

Januar 2017

Kaum haben wir die reine 2016 Agenda angefangen, schreiben wir schon das Jahr 2017. Kein Wunder, dass ich unsere Hunde oft jünger in meinem "Speicher" habe, als sie wirklich sind :-)

Ich wende mich heute mit einem ganz grossen Anliegen an euch:

Wir wenden sehr viel Zeit auf für Menschen, die einen Hund von uns adoptieren möchten. Es fällt immer mehr auf, dass viele Menschen ein sehr gutes Herz, einen sehr guten Willen haben. Beim Telefonkontakt höre ich oft das Argument "jaja, wir hatten schon einen Hund aus dem Tierheim, der war sehr lieb". Ich glaube das, ich weiss auch, dass es so sein kann.

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Der Unterschied von einem Tierheim zu uns ist aber enorm. Wir haben Border Collies und Border Mixe die meist nicht abgegeben wurden, nur weil die Lebenssituation sich verändert hat. Die Hunde werden bei uns abgegeben, weil man mit ihnen nicht mehr zurecht kam, weil ihr angeborenes Wesen mehr fordert, als die meisten nicht Border Halter sich vorstellen können. Sie waren das "Baby" bis sie Erwachsen wurden und eben den Anspruch stellten, dass man sie als Hunde anerkennt und führen kann. Das geht leider nicht, wenn der Hund den ganzen Tag allein zu Hause warten muss, weil die Menschen ganztags arbeiten. Auch wenn die Nachbarin den Hund über Mittag schnell raus lässt, oder gar die Kinder angewiesen sind, mit dem Hund ein Bisi zu machen. Auch wenn ich das auch mit allen anderen Rassen fragwürdig finde, mit Border geht das schon gar nicht.

Die Hunde, die zu uns kommen, wurden zum Teil beschlagnahmt, weil die Haltung nicht stimmte oder weil gesetzeswidrige Vorfälle waren. Auch Hunde, die bei einem Tierarzt zum Einschläfern abgegeben wurden, sind nicht die dankbaren Kuscheltiere, die Mensch sich wünscht.

Trotz allem: Es sind wunderbare Hunde, die nach der richtigen Erziehung und Erkennung ihrer Rassenansprüche, unglaublich gute und arbeitswillige Partner werden. Dem voran geht aber viel Arbeit, der Wille, den Hund zu verstehen und viel Zeit. Richtige Auslastung gepaart mit der nötigen Ruhe, gegenseitiges Verstehen und Respekt..... all das müssen unsere "Gäste" erst lernen. Das Umerziehen fordert mehr, als das Bearbeiten von Rohdiamanten. Dass das Zeit braucht, lässt ab und zu Leute zu Äusserungen hinreissen, dass wir "unsere" Hunde gar nicht abgeben wollen.

Ich versichere euch, dem ist nicht so. Ich bin um jeden Hund froh, der ein sich entsprechendes zu Hause bekommen hat. Aber wir geben keine Hunde in Hände, wo wir von Anfang an sehen, dass die Voraussetzungen nicht stimmen.

Argumente wie "ich möchte halt einen Hund zum kuscheln" sind Aussagen, die selten zu einer Adption führen. Auch wenn der ausgelastete, richtig erkannte Border absolut ein Kuschelhund sein kann, so hat er doch rassetypische Ansprüche. Wenn die nicht erfüllt werden, kann aus dem Kuschler sehr schnell wieder ein Beisser, ein Jäger oder ein aufsässiger Terrorbrocken werden.

Wir lernen die Hunde sehr gut kennen, in der Zeit, in der wir intensiv mit ihnen arbeiten. Ehemalige Leinenrüppler können bei zu wenig Führung sehr schnell wieder in das alte Muster fallen. Auch Ball und Stöckchen Junkies, Auto-, Velo- und Jogger-Jäger werden sehr schnell wieder zu dem, wenn man uns nicht glaubt, dass diese Spiele beim Border kontraproduktiv sind.

Ich möchte jeden bitten, der sich einen Border Collie anschaffen möchte, sich mittels Bücher und Border-Besitzer zu informieren, und nicht alles in den Wind schlagen, was nicht ins eigene Denken passt. Wenn man dann das Gefühl hat, dass man einem  Border Collie ein gutes Leben bieten kann, dann freue ich mich über jede Anfrage. Wie ich schon des öfteren schrieb, wir haben nicht alle Hunde auf der Homepage, die ein zu Hause brauchen.

Ich verstehe absolut, dass man ein Bild sehen möchte, bevor man sich für einen Hund interessiert. Es ist nur so, dass die schönen Bilder nicht das vermitteln, was wirklich ist. Ein sehr hübscher, ansprechender Hund kann die ultimative Herausforderung sein, genauso wie ein nicht so toll aussehender Hund, die absolute Erfüllung und der Traumpartner sein kann. So ist es immer gut, mit uns Kontakt aufzunehmen, nach zu fragen (da wir auch Hunde vermitteln, die noch bei ihren Besitzern leben, bis wir einen Platz gefunden haben), und dann können wir gern Infos und Bilder schicken.

Auch ein Besuch bei uns, wo man sich vor Ort ein Bild machen kann, kann sehr hilfreich sein. Man sieht dann auch die Hunde, die aus diversen Gründen bei uns im Refugium bleiben, nicht vermittelbar sind, und versteht dann vielleicht etwas besser,  warum der besondere Border auch besondere Menschen braucht :-)