Aus unserem Alltag – Anïta's Wochentagebuch

Natürlich ist bei Border Homeless immer viel am Laufen. Und natürlich könnte man täglich Geschichten aus dem Border-Alltag erzählen.

Nun, eigentlich sogar mehrmals täglich – aber so viel Zeit bleibt nicht. Denn die meiste Zeit ist für die Hunde reserviert, so wie es sich gehört.

Doch in ihrem Wochentagebuch schreibt Anïta aus Sicht der Zweibeinerin was aktuell ist. Nicht immer wöchentlich, manchmal weniger oder manchmal öfter.

Kurz: Es lohnt sich, immer wieder reinzugucken, ob hier etwas Neugeschriebenes steht.

 

Oktober 2018

Flieg mit den Engeln

Flieg mit den Engeln, du liebe, tapfere Seele. Viel zu kurz war unsere gemeinsame Zeit, ich wollte dir noch so viel mehr von der Freiheit geben, die du die letzten zwei Monate so sehr genossen hast. Unsere Herzen waren sich nah, ist es darum, dass du nun entschieden hast, zu gehen? Ich habe viel gelernt von dir, du hast dich in meine Seele gebrannt. Glück, Glück auf vier stämmigen Beinchen, das warst und bist du für mich. Die krankmachenden Zellen in deinem Körper wollten wir gemeinsam besiegen. Ich hoffe, dass es dir jetzt gut geht, wo du bist, wir werden uns wiedersehen. In Liebe und Dankbarkeit, dass ich dich kennen lernen durfte, deine Freundin

 

„Ich will dir ein Hund für eine Weile leihen“, sagte ein Engel. „Damit du ihn lieben kannst, solange er lebt und trauern, wenn er tot ist. Ich kann dir nicht versprechen, dass er bleiben wird, weil alles von der Erde zu den Sternen zurückkehren muss. Wirst du darauf aufpassen, für mich, bis ich ihn zurückrufe? Er wird dich bezaubern, um dich zu erfreuen und sollte sein Bleiben nur kurz sein, du hast immer die Erinnerungen, um dich zu trösten. Willst du ihm alle deine Liebe geben und nicht denken, dass deine Arbeit umsonst war? Und mich auch nicht hassen, wenn ich das Tier zu mir heim hole?“ Mein Herz antwortete: “Lieber Engel, dies soll geschehen! Für all die Freuden, die dieses Tier bringt, werde ich das Risiko der Trauer eingehen. Wir werden es mit Zärtlichkeit beschützen und es lieben, solange wir dürfen. Und für das Glück, das wir erfahren durften, werden wir für immer dankbar sein. Auch, solltest du es früher zurückrufen, viel früher, als geplant,werden wir die tiefe Trauer meistern und versuchen, zu verstehen. Wenn unser geliebter Hund diese Welt voll von Spannung und Zwietracht verlässt, schicke uns doch bitte eine andere bedürftige Seele, um sie ihr Leben lang zu lieben.

August 2018

Mit dem Zusammenspiel des metreologischen Herbstanfangs, zeigen sich auch in der Natur die unverwechselbaren Zeichen. Am Morgen ist es schon duster, und heute sogar fast dunkel, bei der Zeit in der ich aufstehen sollte. Wunderbar, dass sich auch endlich der so ersehnte Regen eingestellt hat. Nicht nur unsere Wiesen dürsten. Unsere Hunde haben entspannt und ruhig geschlafen, auch sie geniessen die kühlere Luft im Zimmer.

Aus dem vermeintlichen "Wochentagebuch" ist leider nichts geworden. Auch wenn unsere vielen Senioren nicht mehr so grosse Ansprüche in Bezug auf ausgedehnte Trainings und stundenlange Wanderungen  haben, so geniessen sie doch, lange zu schnüffeln, Zeitung zu lesen und sich in den Düften zu vergessen. So sind die Spaziergänge zwar Wegmässig etwas kürzer geworden, nicht aber Zeitmässig.  Seit ein paar Wochen lebt noch Zoulu bei uns, keine Border Collie, wohl aber eine Seniorin. Die Umstände liessen mich nicht anders handeln, als sie zu uns zu nehmen. Es ist unlaublich und selbst für mich erstaunlich, wie schnell sich dieses 15 jährige Hundewesen in unsere Gruppe eingefügt hat. Wie selbstverständlich unsere Familie sie aufgenommen hat. Sie lassen sie allein fressen, weil sie etwas länger braucht :-) , sie steht inmitten aller und bettelt um etwas. was die anderen begehrenswert finden :-) Sie marschiert mit den Borders, erst mit der Seniorengruppe, aber inzwischen schon mit den aktiven. Die Schleppleine, die sie am Anfang aus Sicherheitsgründen mitzog, ist schon längst nicht mehr nötig. Auch wenn sie rüstig voraus marschiert, wenn eine Weggabelung kommt, bleibt sie stehen und wartet auf uns. Dass sie so gut wie gar nichts mehr hört,  macht sie mit ihrem wachen Geist wett. Sie spürt meine Pläne, meine Zuneigung und natürlich auch, wenn von ihr im Moment nichts erwartet wird. Sie ist so ein richtiges Seelenhündchen. Ich hoffe, dass sie noch lange mit unseren Senioren ihr Leben  geniessen darf.

In letzter Zeit haben wir viele Hunde in ein Neues zu Hause gegeben. Es ist ja meine, mir selbst gestellte, Aufgabe, für die resozialisierten Tiere ein neues Daheim zu finden. In den vielen Jahren und bei den vielen Vermittlungen die nun schon hinter uns liegen, habe ich gemerkt und akzeptiert, dass das nicht alle Menschen gleich verstehen. Wenn ich dann nach langer Zeit, wo ein Hund schon Jahre am neuen Ort lebt, den Vorwurf bekomme, dass gerade dieser Hund am Anfang ab einer Mülltonne erschreckt stehen blieb...... ein Zeichen, dass wir sie zu wenig auf solche Sachen vorbereitet hätten.....nun ja, da brauche ich nichts zu sagen.

Re -sozialisierung heisst für mich, dass die Hunde lernen, mit nicht gewohnten Situationen umzugehen. Sie lernen, ihre Angst zu überwinden, mit dem Wissen, dass sie uns und unsere Unterstützung im Rücken haben. Sie dürfen testen, sie dürfen auch Angst zeigen.... sie dürfen Hunde sein. Wenn sie sich dann selber etwas trauen, wächst ihr (Selbst) Wertgefühl und sie werden zu starken Persönlichkeiten. Nicht nur zu funktionierenden Wesen, die angepasst möglichst nicht anecken wollen.

Das sind meine Grundsätze, ich verlange von niemanden mehr, dass er das auch so sieht oder so umsetzt.

Auch den Vorwurf, warum wir nicht über das Internet vermitteln, da das doch heute die moderne Form der Vermittlung sei, zeigt mit, dass unsere Grundidee so gar nicht verstanden wurde. Wir werden es halten wie bis anhin, denn für die Hunde, für die wir Plätze suchten, haben wir immer sehr tolle Familien gefunden. Wir haben keine "im letzten Moment abgesagt", oder "nicht abgeholt", oder ähnliche traurige Sachen erlebt.  Wir haben mit fast allen Adoptanten ein schönes Verhältnis, wo wir ungezwungen immer mal wieder Bilder und Berichte bekommen. Wo wir auch jederzeit vobei gehen dürfen und unseren, im Herzen bleibenden, mal Hallo zu sagen.

Ich möchte diesen kurzen Bericht mit der Frage unseres Treuhänders, den wir letzte Woche besuchten, abschliessen. " Frau Laederach, mal eine Frage, warum tun sie sich das an ? "

Tia, wer es bis dahin nicht verstanden hat, wird es wohl nie verstehen.

ES IST EINE HERZENSSACHE

tragt Sorge zu euren treuen Hunden, eure Anïta

August 2018

Mein „täglich“ Brot ....
Meine Hunde dürfen nicht mit fremden Hunden „spielen“.
Das hat seine Gründe. Der erste und wichtigste Grund ist: kennen sich Hunde nicht, spielen sie nicht miteinander. Sie bewältigen Konflikte, in denen sie sich gar nicht befinden würden, wenn ihre Halter nicht auf Kontakt aus wären.
Sprichst du mit jedem Fremden auf der Straße?
Magst du von Fremden angefasst werden und findest du es schön, wenn einer dir frech auf die Pelle rückt? Hunde auch nicht.
Hunde haben eine Individualdistanz. Wenn sie könnten würden sie weiträumig ausweichen, oder sich mit Bellen Raum verschaffen. Leinenaggression lässt grüßen. 
Ist das Kind schon mal in den Brunnen gefallen und der Kontakt mit dem fremden Hund ließ sich nicht vermeiden, hat dein Hund genau vier Möglichkeiten den Konflikt zu lösen. 
Fachlich nennt man das die vier F´s.
FIGHT (Kampf) – FLIGHT (Flucht) – FREEZE (Erstarren) - FIDDLE ABOUT (rumalbern)
Die meisten Hunde haben schon in der Welpenspielgruppe gelernt, dass die ersten drei Varianten nicht wirklich zur Lösung beitragen und so bevorzugen sehr viele Hunde das FIDDLE ABOUT um Begegnungskonflikte zu lösen. 
Erst geht der Hund in die Vorderkörpertiefstellung (der Besitzer quietscht vergnügt: schau er will spielen), er springt mit den Vorderpfoten in dieser Stellung dann von rechts nach links und umgekehrt, bevor der andere Hund plötzlich lossprintet und die Beiden ein Rennen startet. Bei dem ist einer der Jäger und der andere das Opfer, getauscht werden die Rollen nicht. Oft sieht man danach ein FREEZE von dem ersten Hund und hier kommt es dann sehr auf die beiden Hunde an, ob das Ganze kippt oder nicht. Dies ist kein Spiel, sondern pures Konfliktmanagement und Stressabbau.
Warum mein Hund da nicht mit machen darf, erklärt sich wohl jetzt von selbst. 
Qualität vor Quantität
Meine Hunde haben übrigens fast täglich Kontakt mit anderen Hunden. 
Mit ihren Kumpels. Man trifft sich regelmäßig, die Hunde kennen und mögen sich, ja und in diesem entspannten Rahmen entsteht dann auch mal ein kurzes Spiel. Ohne Stress. 
Und bei uns kommt noch dazu, dass wir meistens mit mehreren Hunden unterwegs sind, da will ich sie nicht auf einen "Neuen" loslassen. Wenn aber jemand den Wunsch hat, dass sein Hund mit unseren spielen darf, ist das Team eingeladen, zu uns auf den Platz zu kommen. Da sind dann die Hunde, die gern jemanden kennen lernen, und dann findet auch wirkliches,, kontrolliertes Spiel statt.

Teile des Textes von Jennifer Stephenson übernommen und unterschrieben

April 2018

Mein geliebter, alter Freund

Nun können wir nicht mehr darüber weg sehen, auch wenn ich es ganz lang nicht wahrhaben wollte. Dein Alter macht deinem Körper manchmal Mühe, und du akzeptierst die Einstieghilfe beim Auto. Auch wenn du dich am Anfang dagegen wehrtest, konntest du, als wir dir sagten, dass es eine lustige Übung ist, endlich mitmachen :-)

Wir beide sitzen da und lassen unser gemeinsames Leben revue passieren. Ich möchte dir sagen, solange du noch bei uns bist, wie sehr wir dich lieb haben. Du warst und bist mein Herzenshund, mein Lehrer, mein Clown und mein Freund. Wir haben gemeinsam gearbeitet, manchmal gelitten und doch viele Erfolge erzielt. Du hast unsere und fremde Schafe sortiert, die Bähs und du, ihr habt euch immer verstanden und ich weiss, oftmals wäre es für dich einfacher gewesen, wenn ich nicht immer dreingeplappert hätte.

Jetzt, wo du mich oft an den Film " Honig im Kopf" erinnerst, nimmst du deinen Job mit den Hühnchen und den Hasen sehr ernst. Die Schafe überfordern dich. Diese Arbeit überlässt du Mouvie und Quijla, die unter deiner strengen Aufsicht ihr Bestes geben. Manchmal muss ich lachen, wenn ich dein Gesicht sehe. Du würdest es anders machen, ich weiss. Aber das ist das Leben. Viele Sachen ändern sich, die Jungen verlangen ihren Platz, so wie wir es ja auch gemacht haben.

Border Homeless hat dir viel, ganz viel zu verdanken. Du hast immer zu deiner Familie geschaut, hast die Neuen, oft sehr desorientierten Hunde gelehrt, was Menschen wollen und was nicht gut ankommt. Du hast ihnen gezeigt, wie man mit Artgenossen umgeht ohne Streit anzuzetteln, oder sich auf Streit einzulassen. Du hast sie getröstet, wenn sie traurig und fremd waren. Du warst mir eine sehr grosse Hilfe als Dolmetscher, wenn manchmal einer mich nicht verstehen wollte. Im Sport, bei den Schafen, im Spass und in Albereien, wir waren immer eins, sind wir immer noch. Schwimmen im See, Trickli lernen, Agility und Militarys, grosse Wanderungen, Schneeschuh laufen, Ferien am Meer, es machte dir einfach alles Spass.

Ich geniesse deine zärtliche Seite und akzeptiere aber auch, wenn du einfach mal deine Ruhe haben willst. Und das, mein geliebter Even, ist halt schon oft so. Du schläfst und träumst. Wenn du dann aufwachst, kommst du von ganz weit her. Deine Spaziergänge geniesst du in Ruhe, oft warten wir alle auf dich, bis du dich von den spannenden Gerüchen trennen kannst. Deine Ohren hören nichts mehr, du spürst aber immer, wenn wir dich rufen. Deine Augen sehen nicht mehr klar, aber mit deiner grossen Erfahrung, findest du jeden Weg.

Als du als 7 Monatiger Jungspund über den Tierschutz zu uns kamst, lernte ich durch dich Geduld und Geduld und Geduld. Lieb zu den Büsis, lieb zu Timo und seinen Gspändli, aufmerksam gegenüber Fremden. Bis heute kann ich mich auf dich verlassen, und wenn du mir dauernd vor den Füssen stehst, und dich nicht verschieben willst, sehe ich das als Liebeserklärung. Und wieder lehrst du mich GEDULD.

Ich danke dir für die wunderbaren 14 Jahre. Ich hoffe, es ist nicht zu egoistisch von mir, wenn ich mit dem Lied von "Heimweh" singe......

Blieb nochli bi mir Even
Es isch so wunderschön mit Dir
Werum geit dZitt so schnell verbie
We mir beid i zemme si
Blieb nochli bi mir
Mir ghöred zemme Du und I
Drum versprich mir, gang no Nid
Even, chum blib nochlie

In grosser Dankbarkeit, deine Freundin Anïta

März 2018

Bilanzen werden eigentlich im Januar gemacht, wir machen sie halt jetzt, Ende Februar. Im Jahr 2017 haben 17 Hunde nach einer kurzen oder längeren Zeit mit uns, in ein Neues zu Hause ziehen können. Vier Hunde konnten wir direkt vermitteln, so dass sie von ihrem Besitzer grad in ihr Neues zu Hause ziehen konnten. Stolz ist bestimmt der falsche Ausdruck, aber es macht uns glücklich. Sind es doch alles Hunde mit einer Vergangenheit, Hunde, die nicht in die Gesellschaft passten, die ihre Besitzer überfordert haben. Beschlagnahmte Hunde, die vernachlässigt oder misshandelt wurden. Viele von ihnen mussten geimpft, Tierärztlich abgecheckt, gechipt und kastriert werden. Wir haben sie mit diversen Programmen resozialisiert, ein bisschen zu Respekt und Anstand erzogen. Durch unser Rudel haben sie gelernt mit Artgenossen zu kommunizieren und Konflikte zu regeln. Die Besuche von verschiedenen Trainings an fremden Orten ( Ausbildung an den Schafen, Agility, Mantrail, Nadac, Hundeschule, Clicker Trainings, schwimmen im Bodensee und im Rhein usw.) stärken ihr Selbswertgefühl und geben ihnen die Brücke, an einem Neuen Platz ihr Leben zu meistern.

Das alles ist nur möglich, mit eurer Hilfe. Dank eurer Unterstützung konnten wir die finanzielle Belastung tragen. Dafür sagen wir euch allen von ganzem Herzen DANKE.

Dass es bei der grossen Anzahl der Border und Border Mixe, die zu uns kommen, auch solche hat, die wir nicht mit gutem Gewissen vermitteln können, liegt auf der Hand. Diese Hunde haben dann, sofern sie mental gesund sind,  bei uns ein bleibendes zu Hause.

Kranke oder verletzte Hunde, bleiben so lange bei uns, wie sie es brauchen.

Wir danken auch von ganzem Herzen all jenen, die von uns einen Hund aufgenommen haben. Wie die vielen lieben Mails, Whatsups, Briefe und Karten immer wieder beweisen, haben diese Hunde alle ganz tolle "Eltern" bekommen. Wenn ich bei einem Besuch freudig begrüsst werde, abgeschlabbert und angehimmelt, tut das im Herz gut. Die freudigen Geschichten der Neuen Besitzer, strahlende Augen und immer ein liebes Wort zum Hund. Aber noch schöner ist es, wenn ich mich verabschiede und der betreffende Hund mit zur Türe kommt, dann aber zu seinem Neuen Meister steht, sich an die Kinder kuschelt und mir sagt, dass er jetzt da zu Hause ist. Da bin ich dann jeweils sicher, dass sich die ganze Arbeit, die schlaflosen Nächte, die wenigen traurigen Momente allesamt gelohnt haben.

Mit vollem Elan, mit ein paar kleinen Aenderungen, wird Border Homeless auch im Jahr 2018 weiter machen. Gestärkt und Entlastet durch die Hilfe von Sonja, Pierre, Manu, durch Nathalie und einem Praktikanten, sind wir immer in der Lage, jedem Hund Gruppen- und Einzelstunden zu bieten. Sie wohnen alle mit uns im Haus ( zur Freude unserer Putzfrau :-) , sie lernen, in der Nacht ruhig zu sein, aber auch, wenn sie ein dringendes Bedürfnis haben, dass sie gehört werden, dass jemand für sie da ist. Durch die von uns angebotenen Sozial Spaziergänge, lernen unsere Hunde nicht nur im eigenen Rudel sich zu benehmen, sondern auch mit fremden klar zu kommen.

Wir wünschen euch eine schöne Zeit mit euren vierbeinigen Freunden

Anïta und Team

 

 

Ende Februar 2018

MIt grossem Erstaunen musste ich mir vor ein paar Wochen sagen lassen, dass ich "so negativ" sei. Natürlich ist die Eigenwahrnehmung und die Fremdwahrnehmung immer etwas abweichend. Aber als negativ wurde ich in meinem ganzen jungen :-) Leben , noch nie bezeichnet. Ich habe die rosarote Brille im Bezug auf Menschen oft nicht dabei, das stimmt. Versuche aber immer, möglichst neutral und objektiv zu sein. Ich kann euch versichern, die Hunde die bei uns Zwischenstation machen, kommen alle mit mehr oder minder grossen Verletzungen. Sie sind ja meist vom Veterinäramt, von Tierärzten, Tierkliniken oder Tierspital. Unsere Aufgabe sehen wir darin, die "Schäden" zu erkennen, dem Hund zu helfen, durch richtige Auslastung diese abzulegen. Dass das Zeit braucht, ist wohl selbstredend. Es ist nicht so, dass ich die Hunde " ja gar nicht abgeben" will. Wir suchen aber erst einen neuen Platz, wenn wir vermuten, dass der Hund stabil genug ist, eigenständig zu einem neuen Besitzer Vetrauen zu fassen und sich da zu behaupten. Es ist nicht so, dass wir meinen, nur wir können  das gut ;-) Zum einen haben wir wirklich breite Erfahrung wie Border Collies ticken und zum anderen haben wir unser "altes" Rudel als Hilfe.

Wenn jemand sich bei uns für einen Hund interessiert, den Willen und die Zeit mitbringt, gerade diesem Hund in ein gutes Leben zu helfen, sind wir sehr froh, wenn solche Hunde bald adoptiert werden.

Hunde schauen viel von anderen ab. Wir haben viele Rückzugsmöglichkeiten, so dass jeder Hund, wenn er das möchte, mal eine Zeit für sich sein darf. Aber es wären keine Borders, wenn sie nicht das spielen und tollen mit Artgenossen geniessen würden. Natürlich auch das Gruppenkuscheln. Die täglichen Spaziergänge sind fast immer im Rudel von ca. 6-8 Hunden. Einzellektionen gibt es ein bis zweimal die Woche. In denen machen wir Sport, Spiel, Spass, Gewöhnung an Umweltsituationen. Da bin ich oder einer unserer Leute allein nur für den einen Hund da.

Die wenigen traurigen Momente, wo ich aufgeben muss, weil ein Hund auch nach einem halben Jahr nicht in die richtigen Bahnen kommt, wo er für sich selber und sein Umfeld gefährlich wird, diese Momente reissen mir den Boden unter den Füssen weg. Es sind auch diese Momente, in denen ich mich natürlich der Kritik, vor allem meiner eigenen, aussetze. Wenn jemand glaubt, dass er es besser kann, oder gewillt ist, nur einen Teil der Energie und der Zeit aufzuwenden, wie wir es tun, bitte meldet euch bei uns. Ich bin immer offen, wenn jemand eine Idee, eine Erfahrung oder einen Versuch hat, der uns weiter hilft. Ich korrigiere nicht nur Hunde, ich bin täglich dabei, für mich, für uns, Kurskorrekturen zu suchen.

Die Hunde sind so verschieden, auch wenn sie der gleichen Rasse angehören. Jeder muss individuell wahrgenommen, abgeholt und gefördert werden.

Eines ist wirklich klar, ich liebe jeden von ihnen. Wir möchten allen das Leben bei uns so gut wie möglich machen, ihre Hobbies und Vorlieben entdecken und fördern, um dann für sie das tolle End-Zuhause zu finden. Es gibt aber ein paar wenige, die aus verschiedenen Gründen nicht vermittelbar sind. Die bleiben dann bei uns und werden weiter gefördert, beschäftigt und geliebt. Sofern sie für sich selber, für Artgenossen und andere Menschen keine Gefahr sind.

Ich habe keinen Grund und schon gar keine Motivation, irgend jemanden etwas vorzumachen. Wir machen unsere Arbeit, unsere Berufung, nach bestem Wissen und Gewissen. Man darf auch nicht wegsehen, dass die Hunde die zu uns kommen, Hunde sind, die Menschen da draussen aus verschiedenen Gründen nicht mehr wollen. Dass sich solche Menschen nach der Abgabe gleich einen neuen Welpen anschaffen.....wir hoffen für den Hund dass Mensch es diesmal richtig macht.

Lasst euch aber bitte nicht abschrecken, jeder Hund bei uns ist eine liebe Seele. Sie haben tolle Talente und am richtigen Platz sind sie die tollsten Begleiter, Sparring-Partner und Freunde.

Februar 2018

nach einer Diskussion heute morgen, die mich sehr beschäftigt und betroffen gemacht hat, werde ich nun doch wieder versuchen, die zu vermittelnden Hunde hier vorzustellen. Es ist weder so, dass ich sie nicht geben will, auch nicht, dass ich meine, die einzige zu sein, die es richtig macht, es ist aber schon so, dass ich die Hunde sehr gut spüre und sehe, was sie brauchen.

Ich freue mich, wenn jemand, der bereit ist einem Hund ein gutes zu Hause zu geben, bei uns reinschaut und den einen oder anderen ( oder auch alle :-) kennen lernt.

Wir vermitteln die Hunde nur an Plätze, wo sie Familienmitglieder sein dürfen. Wo sie mit ihren Menschen im Haus wohnen, wo man Zeit, Verständnis und Geduld für sie hat.

Die Beschreibung der Hunde ist natürlich aus meiner subjektiven Sicht, so wie ich sie erlebe. Darum darf das Neue zu Hause auch erst mal als Ferien erlebt werden, so dass beide Parteien sich in Ruhe kennen lernen können.

Bis bald

Januar 2018

Wahnsinn, fast schäme ich mich ein bisschen. Die Grundidee dieses Inputs war ja eigentlich Wochentagebuch, nicht Jahrestagebuch :-(

Ich möchte mit euch in Kontakt sein, ich möchte mitteilen, was in so einem Familien-Border-Tierheim-Refugium alles läuft.

Bis am morgen die erste Gruppe gelaufen ist, alle 25-28 Frühstück hatten, "das bisschen Haushalt" gemacht, Hühner draussen, Schafe und Ponys einen guten Tag gewünscht, die zweite Gruppe gelaufen.....ja, dann ist Mittag.

Einzel Trainings Stunden, Einzel sozialisierungs Spaziergang mit Neuen, Körperpflege......und dann kommen die Fleisch und Gemüse Einkäufe für die nächsten Tage..... Mails, Telefone, Beratungen,Hunde vorstellen...... ich hoffe, ihr seht, dass es nicht reine Faulheit ist, wenn ich schlicht nicht mehr zum Tagebuch komme. Die Dankesbriefli für Spender warten schon lange auf dem Tisch, werden Tröpfchenweise verarbeitet, weil ich mental mit jedem Spender in Kontakt trete. Ich bin unendlich dankbar, dass ihr uns helft, den finanziellen Teil des Border Homeless mit zu tragen. An dieser Stelle schicke ich schon mal vorneweg einen herzlichen Pfotendruck an euch alle. Das Couvert folgt ;-)

 

eine (Nicht) Vermittlung bei Border Homeless

Wir waren noch nie in der Situation, so viele tolle Hunde in der Vermittlung zu haben. Einesteils bestimmt leider, andererseits ist es für mich natürlich schön, wenn ich junge, mittlere, und ältere Hunde, Rüden und Hündinnen, einfache und etwas anspruchsvollere "anbieten" kann.

Nach zwei halbstündigen Telefonaten, dann nochmal eine Wegerklärung, dann 20 Minuten nach dem abgemachten Termin, der Besuch.

Ich lasse die vier Hunde, die nach den Vorgesprächen in Frage kommen, mit uns auf den Hundeplatz. Da dürfen sie auch den Border Senior der Familie kennen lernen. Das ist für alle unsere Hunde kein Problem. Sie sind gewohnt, dass da immer mal wieder jemand kommt. Er wird beschnuppert und nach kurzem sogar zum Spiel aufgefordert. Während dem mir die Dame immer wieder versucht zu zeigen, wie gut erzogen ihr Hund ist. Dass er auf mich verschüchtert wirkt, mit kein bisschen Eigeninitiative, dass er eher traurig wirkt, ändert sich in dem Moment, wo einer meiner Hunde einen herumliegenden Ball ins Spiel bringt. Da ist nur noch der Ball wichtig, wird auch vor den anderen verteidigt und der Senior ist nicht mehr ansprechbar. Ich rufe die Neueste in unserer Gruppe zu mir, sie soll den Ball bringen. Was sie auch brav macht. Das neu gelernte Tip tap macht sie eifrig, da ja das Leckerli bereits fein duftet :-)

Sofort muss Senior zu der Meisterin, und da wird demonstriert, was er denn alles kann. "sie sind ja so gelehrig". Ahaa.

Der männliche Teil des Paares, nicht mehr ganz jung, gibt sich eher desinteressiert. Nach einer halben Stunde kommt dann die Frage " Was haben sie sonst noch?" Wohlverstanden, die inzwischen schon etwas müden Hunde, sind mega toll. Ich hätte eher das Problem, welchen möchten wir gern als Familienmitglied. Hallo, bin ich ein Staubsauger Verkäufer?  Welches Modell gibt es noch? Für mich waren die Würfel schon gefallen als dann noch versucht wurde, mir klar zu machen, dass ein Hund auf keinen Fall auf das Polster darf, dass da auch mit härteren MItteln "erzogen"wird.

Kalt gefroren gehe ich mit allen Hunden ins Haus, mache mir ein Feuerchen im Cheminee und sie liegen gemütlich verteilt herum.... ja, vier davon mit mir auf der Polstergruppe :-)

Die Mitteilung vier Tage später auf dem TA, dass ihr Mann "sehr skeptisch gegenüber dieser Sache" sei, dass sie jetzt doch lieber einen Welpen nehmen würden, ( sie sind beide über 70 ), nahm mir die unangenehme Absage ab.

Vielleicht sieht man aus diesem Beispiel, eines von vielen, dass seriöse Heimat Suche für Hunde, für Borders, ein sehr langer, aufwändiger Job ist. Bei mir steht, wenn ich die interessierten Adoptanten treffe, immer die Frage im Vordergrund, könnte sich dieser bestimmte Hund da wohl fühlen. Wird er als Hund wahrgenommen, spüre ich da Sympathie oder sogar Zuneigung.

Wenn Burglinde, Evi und jetzt noch Friederike endlich wieder zur Ruhe gekommen sind, freuen wir uns ganz fest auf den Frühling.

Ich wünsche euch eine schöne Zeit, geniesst eure pelzigen Freunde.

Herzlichst, Anïta und Gang

27. Februar 2017

Pierre fand, dass das Wochenende für ihn streng war. War ich doch am Samstag den ganzen Tag weg, und da der tolle Kurs in Gretzenbach stattfand, musste ich früh los. Ich hatte fünf unserer Hunde bei mir und besuchte den Schafkurs, von Inge organisiert und von Hanni Windisch durchgeführt. Beim betreten des Stalles, wo ca. 20 Schafe friedlich vor sich hin mahlten, war es mir schon wohl. Hanni gab ganz kurz Verhaltelsregeln durch, damit wir die Schafe nicht stressen. Dann brachte sie uns die "trockene" Theorie der Schafhaltung so lebendig und mit Herz rüber, dass, hätte ich noch keine Schafe, ich mich bemühen würde, welche zu kaufen :-)

Sofort gingen wir über zur Praxis. Hanni zeigte uns das "Klauen" auf die herkömmliche Art und mit dem neuen Klauenstand. Immer wieder betonte sie den anständigen Umgang mit dem Schaf, seinem Wesen und  seinen Eigenarten. Uuuuups, nicht genug dass wir bewundernd ihrem flinken arbeiten zuschauen durften, nein Frauen, jetzt seit ihr dran. Jeder "durfte" einem Schaf die Klauen schneiden, unter ihren wachsamen, und wenn nötig, korrigierenden, aber sehr netten Anweisungen. Den Umgang mit der Schleifmaschine werde ich erst nach einem weiteren Tag mit Hanni ins Auge fassen, da fühle ich mich noch zu unsicher.

Die Kaffeepause, die so viele Kursleiter sich auch als Schnaufpause für sich gönnen, zeigte Hanni, mit dem Kaffe in der Hand, die Stalleinteilung, erzählte über das Klima im Stall  und über einzelne Schafe.

Ein wichtiges Thema, die Stallapotheke, das Entwurmen und das ausfüllen der Begleitdokumente.

Die mitgebrachten Hunde durften auf einen kleinen Bisi Rundggang und dann fuhren wir zu Hanni nach Hause zum MIttagessen. Von der Schafhalterin, der Farmerin, zu der perfekten Gastgeberin, so könnte man die Verwandlung von Hanni beschreiben :-) Ein feiner Salat mit gemischtem Gemüse, Spaghetti und eine gemütlich Atmosphäre, lockere Gespräche..... wollen wir nicht noch ein wenig bleiben?

Ursi erzählt von ihrere Arbeit als Osteopathin und legt uns das Aufwärmen und das Cooldown, sehr sympathisch und nicht schulmeisterisch, ganz fest ans Herz. Etwas das jeder weiss, aber fast keiner macht !!!

So,  Kaffee austrinken, den feinen Kuchen von Inge unter den Arm geklemmt und auf zur Weide. Bei den ca. 40 Jungschafen zeigte uns Hanni, wie man effizient "umhagen" kann. Man merkt, dass bei ihrem Betrieb mit 150 Mutterschafen, jeder Handgriff sitzt. Wir stehen mit unseren Hunden da und schauen ihr zu, wie sie ein Schaf aus der Herde einfängt. Respektvoll, ohne Stress für die Schafe und mit Hilfe ihres Hundes. Dass wir das bewundern, lässt sie kalt, sie verlangt umgehend von jedem von uns, das Gleiche zu tun. Ausgesehen hat es sehr einfach :-) :-)

Vielleicht lest ihr meine Begeisterung, es war eines vom Besten was ich in letzter Zeit gemacht habe. Ganz ganz herzlichen Dank Hanni, und auch Inge für die Organisation, Ich werde mich vordrängen, wenn es zum nächsten Kurs bei euch geht.

Die Teilnehmerinnen (wie immer an solchen Weiterbildungen nur Frauen), waren sehr nett, aufmerksam und es blieb trotz Arbeit, immer wieder Zeit zum lachen :-) Danke auch euch, ich hoffe, wir sehen uns am nächsten Kurs.

Und ja...... ich finde, dass jeder der mit seinem Hund an den Schafen arbeiten möchte, zwingend so einen Kurs besuchen muss.

So, das war mein Samstag. Vom Sonntag, von meinem Besuch bei der Border Collie GV, berichte ich euch später. Die Hunde stehen schon bei den Leinen und finden, die zweite Gruppe müsse jetzt unbedingt raus, die Sonne scheint :-)

26. Februar 2017

so, wie versprochen noch den Bericht zu meinem Sonntag. Da die beiden frisch kastrierten bei mir liegen, und ihre Narkose ausschlafen, bin ich fast genötigt, auch etwas ruhig zu sitzen :-)

Am Sonntag fuhr ich bereits um viertel nach sieben Richtung Bern. Nachdem die Hunde gefrühstückt hatten, ihr Bisi gemacht und Pierre die letzten Anweisungen bekommen hatte.

Meinen zmorge nahm ich während der Fahrt auf der fast Menschenleeren Autobahn. Pünktlich um viertel nach neun konnte ich die paar mir bekannten Gesichter im Gasthof Schönbühl begrüssen. Die von Marion geführte GV liess mich, eigentlich zum ersten Mal, voll bewusst werden, dass wir aus zwei verschiedenen Lagern kommen. Obwohl die Faszination Border Collie eigentlich unser gemeinsames Interesse ist, sind wir Aeonen weit voneinander entfernt. Während die Interessen des Clubs vor allem die Zucht, Hunde mit Papieren, das Ankören und die Wesenstests sind, während sie versuchen, den Bestimmungen des SKG Folge zu leisten, liegt unser Interesse  im auffangen und stützen der Hunde, die durch falsche Haltung ein unglückliches Leben führen. Ob diese Hunde nun Abstammungspapiere haben oder nicht, interessiert uns wenig. Obwohl wir natürlich auch solche Hunde bei uns aufnehmen. Denn jeder Züchter versichert, dass er seine Kunden sehr genau prüft und aussucht. Wie kann es dann sein, dass wir vom Vet. Amt erst grad kurz einen Hund aufnahmen, der in der Stadt im dritten Stock hauste? Ein Border Collie mit Papieren. Beide Besitzer arbeiten ganztags ausserhalb, aber man geht drei mal die Woche joggen. Wundert es einem da, wenn der junge Hund ausflippt, auffällig wird, Kinder schnappt und die Mitbewohner  den Tierschutz rufen?

Die meisten Hunde die wir aufnehmen, sind entweder durch das Vet. Amt oder von Tierärzten oder Kliniken. Das Argument, dass jeder Züchter seine Hunde zurücknimmt, wenn es nicht geht, lass ich nicht gelten. Zu oft schon haben wir bei Züchtern rückgefragt, aus deren Zucht wir einen Hund aufnahmen. " Nein, ich kann ihn nicht nehmen, ich habe grad einen Wurf", "nein, ich bin selber nicht gesund, und grad am umziehen." Nein, ich bin grad in Trennung und kann keinen Hund mehr aufnehmen. ".

Für Hundebesitzer die Hilfe suchen, vor allem für solche Hunde, ist Border Homeless da. Dank dem grosszügigen Anwesen, das wir vor zwei Jahren erwerben konnten, haben wir genug Platz. Mit den zwei Teilzeitangestellten haben wir auch genug Kapazität, allen Hunden gerecht zu werden. ( Das für diejenigen, die glauben man könne ja 20 Hunden gar nicht gerecht werden :-)

Dass der Border Collie Club uns nicht finaziell unterstützt, schreibe ich vor allem den verschiedenen Ansichten zu. Aus eigenem Antrieb wäre ich auch nie auf die Idee gekommen, beim BC um Unterstützung nachzufragen. Es war der BC selber, der mich anwies, doch einen Antrag auf die nächste GV zu schreiben.

Es entlastet uns aber auch, dass wir uns nicht für die Border MIschlinge entschuldigen müssen. Klar ist, dass viele Hunde die wir bei uns aufnehmen, mit gewaltigen Schäden zu uns kommen. Sie haben ja gut gemeinte aber selten gut gemachte Erziehungsversuche durch Menschen hinter sich. Dadurch gibt es auch Hunde, die sehr lange brauchen, bis wir die richtigen Menschen für sie finden, bei denen sie dann Vertrauen und ein Border gerechtes Leben haben können. Das liess sogar Besserwisser dazu hinreissen, zu äussern, dass wir unsere Hunde gar nicht abgeben wollen. Ja, es gibt welche, bei denen man den Absturz bereits voraus sehen kann. Die bleiben dann halt bei uns. Einem tauben, authistischen Border ein einigermassen gutes Leben zu bieten, verlangt mehr als ein Bettli und Futter. Vor allem ist es kein Hund, mit dem man mit Siegen brillieren kann. Aber es ist ein Hund, der ungewollt in diese Welt gesetzt wurde, ja, bestimmt nicht mit Abstammungspapieren gezüchtet, und daher für gewisse Ansichten auch nicht Existenz berechtigt.

Wir werden Border Homeless bleiben, eine Auffangstation und Tierheim für gestrandete, für Hunde, die nur zur Ruhe kommen müssen, etwas Hilfe und Erziehung brauchen, um dann in Neuen Familien ihr Glück zu finden.

Wenn Menschen uns unterstützen ist das nie für uns, sondern immer und zu 100% für Platz suchende Hunde. Mit jeder finanziellen Hilfe ermöglicht ihr es, dass wir einem solchen Hund einen temporären Platz mehr bei uns anbieten können.

Erst etwas enttäuscht über die Voten, aber bereits auf der Autobahn spürte ich Entlastung und begrüsste Todmüde aber glücklich unsere meist Papierlosen, wunderbaren Border Collies.

 

 

Januar 2017

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Der Unterschied von einem Tierheim zu uns ist aber enorm. Wir haben Border Collies und Border Mixe die meist nicht abgegeben wurden, nur weil die Lebenssituation sich verändert hat. Die Hunde werden bei uns abgegeben, weil man mit ihnen nicht mehr zurecht kam, weil ihr angeborenes Wesen mehr fordert, als die meisten nicht Border Halter sich vorstellen können. Sie waren das "Baby" bis sie Erwachsen wurden und eben den Anspruch stellten, dass man sie als Hunde anerkennt und führen kann. Das geht leider nicht, wenn der Hund den ganzen Tag allein zu Hause warten muss, weil die Menschen ganztags arbeiten. Auch wenn die Nachbarin den Hund über Mittag schnell raus lässt, oder gar die Kinder angewiesen sind, mit dem Hund ein Bisi zu machen. Auch wenn ich das auch mit allen anderen Rassen fragwürdig finde, mit Border geht das schon gar nicht.

Die Hunde, die zu uns kommen, wurden zum Teil beschlagnahmt, weil die Haltung nicht stimmte oder weil gesetzeswidrige Vorfälle waren. Auch Hunde, die bei einem Tierarzt zum Einschläfern abgegeben wurden, sind nicht die dankbaren Kuscheltiere, die Mensch sich wünscht.

Trotz allem: Es sind wunderbare Hunde, die nach der richtigen Erziehung und Erkennung ihrer Rassenansprüche, unglaublich gute und arbeitswillige Partner werden. Dem voran geht aber viel Arbeit, der Wille, den Hund zu verstehen und viel Zeit. Richtige Auslastung gepaart mit der nötigen Ruhe, gegenseitiges Verstehen und Respekt..... all das müssen unsere "Gäste" erst lernen. Das Umerziehen fordert mehr, als das Bearbeiten von Rohdiamanten. Dass das Zeit braucht, lässt ab und zu Leute zu Äusserungen hinreissen, dass wir "unsere" Hunde gar nicht abgeben wollen.

Ich versichere euch, dem ist nicht so. Ich bin um jeden Hund froh, der ein sich entsprechendes zu Hause bekommen hat. Aber wir geben keine Hunde in Hände, wo wir von Anfang an sehen, dass die Voraussetzungen nicht stimmen.

Argumente wie "ich möchte halt einen Hund zum kuscheln" sind Aussagen, die selten zu einer Adption führen. Auch wenn der ausgelastete, richtig erkannte Border absolut ein Kuschelhund sein kann, so hat er doch rassetypische Ansprüche. Wenn die nicht erfüllt werden, kann aus dem Kuschler sehr schnell wieder ein Beisser, ein Jäger oder ein aufsässiger Terrorbrocken werden.

Wir lernen die Hunde sehr gut kennen, in der Zeit, in der wir intensiv mit ihnen arbeiten. Ehemalige Leinenrüppler können bei zu wenig Führung sehr schnell wieder in das alte Muster fallen. Auch Ball und Stöckchen Junkies, Auto-, Velo- und Jogger-Jäger werden sehr schnell wieder zu dem, wenn man uns nicht glaubt, dass diese Spiele beim Border kontraproduktiv sind.

Ich möchte jeden bitten, der sich einen Border Collie anschaffen möchte, sich mittels Bücher und Border-Besitzern zu informieren, und nicht alles in den Wind schlagen, was nicht ins eigene Denken passt. Wenn man dann das Gefühl hat, dass man einem  Border Collie ein gutes Leben bieten kann, dann freue ich mich über jede Anfrage. Wie ich schon des öfteren schrieb, wir haben nicht alle Hunde auf der Homepage, die ein zu Hause brauchen.

Ich verstehe absolut, dass man ein Bild sehen möchte, bevor man sich für einen Hund interessiert. Es ist nur so, dass die schönen Bilder nicht das vermitteln, was wirklich ist. Ein sehr hübscher, ansprechender Hund kann die ultimative Herausforderung sein, genauso wie ein nicht so toll aussehender Hund, die absolute Erfüllung und der Traumpartner sein kann. So ist es immer gut, mit uns Kontakt aufzunehmen, nach zu fragen (da wir auch Hunde vermitteln, die noch bei ihren Besitzern leben, bis wir einen Platz gefunden haben), und dann können wir gern Infos und Bilder schicken.

Auch ein Besuch bei uns, wo man sich vor Ort ein Bild machen kann, kann sehr hilfreich sein. Man sieht dann auch die Hunde, die aus diversen Gründen bei uns im Refugium bleiben, nicht vermittelbar sind, und versteht dann vielleicht etwas besser,  warum der besondere Border auch besondere Menschen braucht :-)

Kaum haben wir die reine 2016 Agenda angefangen, schreiben wir schon das Jahr 2017. Kein Wunder, dass ich unsere Hunde oft jünger in meinem "Speicher" habe, als sie wirklich sind :-)

Ich wende mich heute mit einem ganz grossen Anliegen an euch:

Wir wenden sehr viel Zeit auf für Menschen, die einen Hund von uns adoptieren möchten. Es fällt immer mehr auf, dass viele Menschen ein sehr gutes Herz, einen sehr guten Willen haben. Beim Telefonkontakt höre ich oft das Argument "jaja, wir hatten schon einen Hund aus dem Tierheim, der war sehr lieb". Ich glaube das, ich weiss auch, dass es so sein kann.